Der Gallusmarkt
Ein Oberstdorfer Traditionstermin
Erst hört man sie, dann sieht man sie. Rund 1 000 Tiere kehren beim Viehscheid zurück ins Tal. Der beste Platz dafür? Den verraten wir Ihnen.
Sieben Uhr, Marktplatz. Ein Transporter setzt zurück, Aluminiumstangen klappern, jemand schiebt eine Kiste Äpfel über nasses Pflaster. Der Turm von St. Johann Baptist ragt hoch auf, dahinter hellt der Himmel über dem Nebelhorn auf. Die ersten Planen gehen hoch.
Zwei Stunden später ist die Fußgängerzone voller Menschen. Rund 300 Stände reihen sich nebeneinander auf, durch die Hauptstraße, die Kirchstraße, die Weststraße, bis hinunter zur Oststraße. Ein Händler stapelt Wollsocken zu einer farbenfrohen Collage, daneben werden Gummistiefel für Groß und Klein verkauft, dahinter Töpferware, Bürsten, Schraubenzieher, Trachtenstoffe in Karo. Aus einem heißen Kessel steigt verführerisch süße Geruch nach gebrannten Mandeln. Es ist Gallusmarkt in Oberstdorf.
Das Marktrecht erhielt Oberstdorf schon im Mittelalter. Kaiser Maximilian I. verlieh es dem Ort 1495, der Name stammt vom heiligen Gallus, dessen Tag auf den 16. Oktober fällt. Jahrhundertelang war dies für die Menschen der Region die letzte Möglichkeit für einen großen Einkauf vor dem Winter. Die Tradition hat sich über Jahrhunderte erhalten, und auch dieses Jahr am 10. Oktober 2026 geht es um 9 Uhr wieder los, bis 18 Uhr, Eintritt frei.
Vor dem Käsestand staut es sich. Ein Bergkäse, zwei Jahre gereift, wird gewürfelt und über die Theke gereicht. Ein älterer Herr probiert, nickt, kauft ein großzügiges Stück. Hinter ihm diskutieren zwei Frauen über das frische Gemüse. Eine Bäuerin aus dem Kleinwalsertal bleibt stehen, ein herzliches Lächeln, Neuigkeiten, weiter.
So geht das den ganzen Tag: Der Markt ist ein Treffpunkt, der Einkauf kommt nebenbei.
Gegen Mittag spielt Blasmusik, die Glocke schlägt darüber hinweg. Sie stehen mittendrin, einen Becher in der Hand, und treiben durch den Markt. Eine Frau trägt einen Weidenkorb voll Lauch, ein Bub balanciert eine Zuckerwatte. Am Rand sortiert ein Händler Schrauben nach Größe zurück in die Kisten, der Nachmittag ist ruhiger.
Bis ins Hotel Filser sind es von hier aus nur ein paar Minuten zu Fuß. Danach warten auf müde Füße gemütliche Momente in Hallenbad, Sauna, Ruheraum. Draußen färben sich die Allgäuer Gipfel, drinnen wird es still. Sie sortieren Ihre Schätze vom Markttag und überlegen, was der nächste Urlaubstag im Hotel Filser bereithält.


